Event || LitBlog Convention19: Zwischen Hauptgewinn und Nieten

by Marie-Theres Werner

Am 18. Mai öffneten sich die Verlagstüren von Bastei Lübbe für meine zweite LitBlog Convention. Gemeinsam mit Eleonore von Literature & Linguistics besuchte ich einige Workshops, wir genossen die vielen kleinen und großen Leckereien, versuchten unser Glück beim Gewinnspiel und machten den Foto-Bulli unsicher.
Nachdem wir völlig stressfrei mit Bus und Bahn am Verlagshaus in Köln angekommen waren, verschafften wir uns erst einmal einen Überblick über die Räumlichkeiten. Für Eleonore war es das erste Mal auf der Convention und somit schauten wir uns alle Verlagstische und natürlich die Inhalte der Goodie Bag ganz in Ruhe an. Da man zwischen Einlass und der ersten Veranstaltung eine Stunde Zeit hatte, um Kontakte zu knüpfen, die ersten Kekse zu futtern oder sich zu überlegen, zu welchem Workshop man als erstes gehen sollte, studierten auch wir noch einmal das Programm und entschieden uns für folgende vier Veranstaltungen:

Quelle: LitBlog Convention

Es war gar nicht so leicht, die Favoriten herauszupicken, doch ich denke, wir hatten uns für eine gute Mischung aus Workshops, Talks und Präsentationen entschieden. Da Eleonore selbst Fantasy-Autorin ist (meine Rezension zum ersten Teil ihrer Trilogie Die Enzyklopädie der Wächter findet ihr hier) war für uns klar, dass wir die Gesprächsrunde über „Diversität in der Phantastik“ nicht verpassen dürfen.

DIVERSITÄT IN DER PHANTASTIK

Da ich selbst keine sehr große Fantasy-Leserin bin, vergesse ich immer wieder, wie beliebt dieses Genre doch ist. Unser vorgesehener Raum war mit etwa 50 Stühlen ausgestattet, die auch alle besetzt wurden. Teilnehmer der Diskussionsrunde waren Akram El-Bahay, Autor von Bücherkönig und Judith und Christian Vogt, Autoren der Fantasy-Reihe Die 13 Gezeichneten. Das Hauptgesprächsthema drehte sich um stereotypische Charaktere in der Phantastik. Wir alle kennen sie, den Bösewicht, der die Weltherrschaft an sich reißen und den Helden töten möchte, das hübsche Mädchen, das dem Hauptcharakter dabei hilft, den Schurken zu überführen und sich dann in ihn verliebt. Solche Stereotypen sind natürlich äußerst praktisch für eine Geschichte, denn sie sind bereits etabliert und jeder kennt sie, doch sie machen es einem gleichzeitig auch nicht unbedingt einfach. Setzt man solch einen altbekannten Charakter in seinem Roman um, kann schnell ein gewisses Bild entstehen, das alles über einen Kamm schert. Leser könnten das Gefühl bekommen, eine bereits vorhandene Geschichte nur in abgeänderter Form zu lesen, es würde heißen „Ach, der Bösewicht ist ja genau wie Voldemort in Harry Potter“ oder „Die Story orientiert sich sehr stark an Der Herr der Ringe“. Um diese Reaktionen zu vermeiden, ist es wichtig, die Diversität in seinem Buch hervorzuheben – man braucht ein Alleinstellungsmerkmal! Dies kann man zum einen erreichen, in dem man einen völlig ungewöhnlichen Charakter entwickelt und ihn zum Helden – oder auch Bösewicht – seiner Geschichte erklärt (Hier verweise ich noch einmal auf Eleonores Roman Die Enzyklopädie der Wächter: Der Held in ihrer Story ist stumm), zum anderen kann man die vorhandenen Stereotypen aber auch gezielt brechen. Das bedeutet, wenn der Bösewicht normalerweise nach dem Schema X charakterisiert wird, macht man für seine eigene Geschichte ein X+Y daraus. 

Stereotypen in der Literatur sind praktisch, sie machen es einem aber auch nicht immer leicht. Klick um zu Tweeten

Obwohl die Veranstaltung vom Thema her sehr interessant war (selbst für mich als seltene Fantasy-Leserin), fehlte mir die Begeisterung der anderen Teilnehmer. In der anschließenden Fragerunde kam nicht wirklich Stimmung auf, es verlief eher zähflüssig und es setzte kurzzeitig auch diese unangenehme Stille ein. Doch diese war wie weggeblasen, als man sich die vorgestellten Bücher anschließend signieren lassen konnte und auch ich ergatterte mir ein Exemplar von Akram El-Bahays Roman Bücherkönig. Ich bin schon sehr gespannt darauf, es zu lesen und werde mich natürlich vor allem auf die Diversität in diesem Buch konzentrieren.

Quelle: Bastei Lübbe

Erscheinungstermin: 31.08.2018
Seiten: 399
ISBN: 978-3-404-20909-5
Autor: Akram El-Bahay
Preis: 14€ (Taschenbuch), 10,99€ (E-Book)

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Nach dieser ersten Veranstaltung ging es für uns direkt zu Runde Nummer 2: „Verlage, Autoren und jede Menge Prosecco“. Da Eleonore und ich in letzter Zeit regelmäßig auf Buchmessen unterwegs sind – ich als Pressebesucher, sie als Aussteller – war es sehr interessant, die Vorbereitung und den Messealltag einmal aus Verlagssicht kennenzulernen. Auch hier war die Präsentation wieder gut besucht, sodass ich diesmal vom Boden aus zusehen musste. 

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VERLAGE, AUTOREN UND JEDE MENGE PROSECCO

Wie organisiert man eigentlich eine Buchmesse? Ich habe mir die Vorbereitung eines Verlags sowieso schon sehr umfangreich vorgestellt, doch wir wurden mit so vielen Infos bombardiert, dass es mir etwas schwer fallen wird, alles genau zu rekapitulieren. Eine Pressemitarbeiterin von Droemer Knaur hat uns den Ablauf am Beispiel der Leipziger Buchmesse erklärt: Wusstet ihr, dass die Planung der LBM schon im Oktober während bzw. kurz nach der FBM beginnt? Nachdem alle von der Frankfurter Buchmesse zurückgekehrt sind, haben die Mitarbeiter etwa einen Tag, um zu verschnaufen, dann geht es direkt mit der Erstellung der Autoren-Longlist für die Leipziger Buchmesse weiter. Außerdem werden im Oktober auch die ersten Presseinfos erstellt und Forenansprachen verschickt. Im November folgt dann das InHouse-Feedback zur FBM und die große Planung für die LBM beginnt:
Zuerst läuft die Anmeldephase für „Leipzig liest“. Hier wird überlegt, welche Autoren man einladen könnte, wie viele Zuschauer in etwa erwartet werden und wie viele Räume man benötigt. Im Dezember erstellt man dann die erste Interviewakquise – auch hier wird wieder überlegt, welche Autoren man anspricht und wer das Interview durchführt (Blogger, Verlagsmitarbeiter, Journalisten, etc). Außerdem geht es im Dezember ans Eingemachte, denn es folgt die Detailabsprache mit Messebauern und die Bestückung der Bücher wird kalkuliert. Wusstet ihr, dass jedes Lager nur Platz für eine Palette hat? Man muss also genau überlegen, welcher Roman wohl am häufigsten verkauft wird, damit man am Messetag auch genug Bücher vorrätig hat. Natürlich wird jeden Morgen vor Beginn der Messe das Lager aufgefüllt und falls tatsächlich Notstand herrschen sollte, können die Verlage ein oder zwei Paletten nachbestellen, die dann noch am selben Tag (!!!) geliefert werden.
Im Januar kommen dann nach und nach die Bestätigungen für „Leipzig liest“ rein und die Organisatoren stimmen noch einmal alle Veranstaltungen mit den Autoren und Moderatoren ab. Eine zweite Interviewakquise folgt im Februar und dann steht der kommenden Messe eigentlich kaum noch etwas im Weg. Im März wird dann der Stand aufgebaut und man wappnet sich für die Besuchermassen. 

Wusstet ihr, dass die Verlagsplanung der LBM schon im Oktober während bzw. kurz nach der FBM beginnt? Klick um zu Tweeten

Da mich der Pressebereich eines Verlags auch beruflich interessiert, fand ich diese Präsentation äußerst interessant. Es war spannend, einmal die Gelegenheit zu bekommen, hinter die Kulissen zu schauen, denn als Besucher nimmt man ja nur das Endprodukt wahr und weiß gar nicht, wie viel Planung und Organisation wirklich dahinter steckt. 

Nach der Buchmessenplanung stand für Eleonore und mich eine längere Mittagspause an. Am kalten Buffet holten wir uns Brötchen und leckere LitBlogCon-Muffins, wir updateten unsere Instagram-Stories, um euch zu Hause auch auf dem Laufenden zu halten, knüpften ein paar Kontakte und machten anschließend den Foto-Bulli unsicher. Da sich die meisten ab 14 Uhr wieder in die Workshops und Präsentationen setzten, hatten wir die kleine Photo-Booth ganz für uns alleine und konnten unserer Kreativität freien Lauf lassen. 

Außerdem versuchten wir unser Glück am Glücksrad. Alle beteiligten Verlage (Kiwi, Dumont, Diogenes, Bastei Lübbe, Droemer Knaur) hatten ein kleines Gewinnspiel zusammengestellt. Alles, was man dafür machen musste, war das Glücksrad zu drehen und zu hoffen, dass der Zeiger nicht auf einer 4, 7, 10, 13 oder 16 landete. Eleonore gewann eine Tasse, ich ging jedoch leer aus, konnte mein Glück aber am Abend noch einmal herausfordern. 

Ab 15 Uhr wollten wir beide eigentlich das „100 Frauen Projekt“ besuchen, doch leider kamen wir zu spät, denn der Raum war schon brechend voll. Wir entschieden uns also kurzfristig um und besuchten die Diskussionsrunde zu „Am Ende war’s immer der Gärtner“ von Krimiautorin Katja Bohnet und ich muss sagen, das war eine super Alternative. Da ich für ein Uni-Seminar momentan sehr viele Krimis und Detektivgeschichten lese, kam dieser Workshop wie gerufen.

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AM ENDE WAR’S IMMER DER GÄRTNER

Spoiler-Alarm: Das stimmt nicht so ganz. In Katja Bohnets Krimi Krähentod, der uns in der Diskussionsrunde vorgestellt wurde, ist es zumindest nicht der Fall. Liegt aber vielleicht auch daran, dass es bei ihr gar keinen Gärtner gibt. Bevor wir uns jedoch ihrem Roman widmeten, erzählte sie uns allgemein etwas zum Aufbau von Spannungsgeschichten. Wir lernten die Heldenreise etwas genauer kennen, sie zeichnete uns die verschiedenen Etappen auf, die der Held im Verlauf der Story durchlaufen muss. Nachdem der Hauptcharakter vorgestellt wurde, durchläuft er als erstes die „Unterwelt“, das bedeutet, dass er sprichwörtlich einmal durch die Hölle gehen muss, bevor er sich tatsächlich als Held etablieren kann. Hierzu werden ihm natürlich einige Steine in den Weg gelegt, die er versuchen muss, zu überwinden und erst durch ein anschließendes, einschneidendes Erlebnis schafft er es tatsächlich, den Mordfall aufzuklären oder den Bösewicht zu überführen. Interessant hierzu ist, dass der Schurke der Geschichte, die Reise in umgekehrter Reihenfolge abschließt. Für ihn läuft am Anfang alles super, er kann Schaden anrichten ohne erwischt zu werden, doch der Held nähert sich ihm Schritt für Schritt bis anschließend der Bösewicht mit seiner Festnahme durch die Hölle gehen muss. 

Held und Bösewicht durchlaufen die Heldenreise in entgegengesetzter Richtung. Während der Held erst leidet, scheint für den Schurken alles gut zu laufen. Klick um zu Tweeten

Diese Heldenreise durchlaufen natürlich auch die Charaktere in Krähentod und Katja Bohnet las sogar einige Passagen aus ihrem neuen Roman vor. Außerdem gab sie uns Tipps für eine eventuelle Schreibblockade. Was macht man eigentlich, wenn man tage- oder sogar wochenlang um ein Manuskript herumschleicht, und einfach keine Ahnung hat, wie die Geschichte weitergehen soll? Dieses Problem hatte Katja Bohnet auch in ihrem Krimi Krähentod. Leider kann ich euch nicht direkt verraten, wie sie das Problem hier gelöst hat, denn dann würde ich euch massiv spoilern, doch ihren allgemeinen Tipp kann ich euch mit auf den Weg geben: „Manchmal muss man drastische Maßnahmen treffen und die Handlung komplett umschmeißen. Für die ersten Tage wirkt man dann etwas hilflos, doch es ist vor allem befreiend und öffnet viele neue Möglichkeiten für den Verlauf des Buches.“

Quelle: Droemer Knaur

Erscheinungstermin: 01.03.2019
Seiten: 400
ISBN: 978-3-426-52232-5
Autorin: Katja Bohnet
Preis: 14,99€ (Klappenbroschur), 12,99€ (E-Book)

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TAMI FISCHER: ICH BIN 3

Unsere letzte Veranstaltung war dann „Tami Fischer: Ich bin 3“. Da ich sie von Instagram und Youtube schon ein wenig kenne, dachte ich, dass die Gesprächsrunde über ihren Arbeitsalltag als Influencerin, Buchhändlerin und nun auch Autorin recht interessant sein könnte. Da sie vor ungefähr 50 anderen Buchbloggern und Influencern sprach, hatte ich gehofft, dass sie ein wenig intensiver auf ihren Alltag als Influencerin zu sprechen kommt – vielleicht hätte man sich ein paar Tipps und Tricks abgucken können – doch der Fokus lag eigentlich hauptsächlich auf ihrem Debüt-Roman Burning Bridges. Und hier muss ich sagen, hat mich der Inhalt nicht wirklich vom Stuhl gehauen: Eine junge Studentin wird von einem geheimnisvollen Kerl gerettet, sie verliebt sich in ihn, doch er hat eine dunkle Seite, die er ihr nicht zeigen will und je näher sie ihm kommen will, desto gefährlicher wird es für sie. Um noch einmal auf den ersten Workshop zu verweisen und damit auch den Kreis zu schließen, fehlt mir in dem Roman doch ein wenig die Diversität. Für mich klingt es sehr stereotypisch und ich denke nicht, dass ich mir das Buch besorgen werde. 

So aufregend und schnell wie der Tag begann, war er dann auch fast schon wieder zu Ende. Um die Veranstaltung ausklingen zu lassen, wurde das Abendbuffet eröffnet, wir füllten unsere Mägen mit Lasagne, Salat und Pudding und ich versuchte mich noch einmal am Glücksrad. Knapp am Hauptgewinn vorbei landete mein Pfeil natürlich wieder auf einer Niete. Leicht deprimiert kehrte ich zu unserem Tisch zurück und Eleonore sagte zu mir: „Das ist doch völlig egal. Der Hauptgewinn ist, dass wir zusammen hier sind und den schönen Tag genießen konnten.“ Und da hat sie sowas von recht!  Die LitBlog Convention 2019 war mal wieder ein voller Erfolg, ich habe viele neue Gesichter gesehen, liebe Leute kennengelernt, interessante Bücher gefunden und spannende Eindrücke mit nach Hause genommen. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr!

2 comments

Marius 31. Mai 2019 - 16:40

Toller Nachbericht für einen Daheimgebliebenen. Vielen Dank dir!

Reply
Marie-Theres Werner 31. Mai 2019 - 17:59

Hallo Marius,
es freut mich, dass dir der Beitrag gefallen hat. Vielleicht sieht man sich ja nächstes Jahr auf der nächsten Convention! 🙂
Liebe Grüße
Marie

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