Kolumne || Meine Playlist bei einer Schreibblockade

by Marie-Theres Werner

Wir alle kennen sie, wir alle hatten sie und wenn sie einmal da ist, kann man sich nur schwer von ihr trennen. Ich rede natürlich von der Schreibblockade. Schon oft saß ich vor einem leeren Blatt Papier, starrte Löcher in die Luft und wartete vergeblich auf einen Funken Inspiration. Zu meiner Verzweiflung zog sich so eine Phase oft tagelang hin – voller Tatendrang saß ich an meinem Schreibtisch, aber mein Kopf war komplett leer. Ich versuchte mich abzulenken, schaute Fernsehen oder eine Serie, doch dieses „nur eine Folge“-Versprechen konnte ich selbst nicht einhalten. Auch Spazierengehen war ein absoluter Reinfall, denn mein bereits ideenfreier Kopf wurde nur noch freier und ich saß genauso deprimiert vor meinem A4-Blatt wie vorher.

Die Schreibblockade: Wir alle kennen sie, wir alle hatten sie und wenn sie einmal da ist, kann man sich nur schwer von ihr trennen. Klick um zu Tweeten

Als ich es dann schon aufgeben wollte, klickte ich mich durch meine Spotify-Liste. Einen Song nach dem anderen sog ich in mir auf und plötzlich schrieb sich mein Artikel fast wie von selbst. Meine sechs Lebensretter schrieb ich mir auf und sie sind seitdem meine treuen Begleiter, wenn mir mal wieder die Inspiration bei einem Blogbeitrag oder bei einer Hausarbeit fehlen sollte. Für alle Mitleidenden, Bücherwürmer und Schreiberlinge habe ich die Lieder in einer Playlist zusammengestellt.

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„MIT VERTRÄUMTEM, WEITEN BLICK UND EIN BUCH FINDET SIE SCHICK“ – BELLE, DIE SCHÖNE UND DAS BIEST

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Jeder, der etwas schreiben möchte – egal, ob Buch, Zeitungsartikel oder Hausarbeit – liest auch gern. Schließlich muss die Inspiration ja von irgendwo herkommen. Es ist dabei gar nicht wichtig, ob man fiktionale Romane oder wissenschaftliche Studien bevorzugt, es zählt nur, dass man bereit ist, viel über sein Thema oder seine Geschichte zu lesen und zu recherchieren. Um also in die richtige Stimmung zu kommen, leite ich diesen Beitrag mit dem Lied „Belle“ aus dem Film Die Schöne und das Biest ein.
Seit 1991 verzaubert Belle, als größter Bücherwurm der Walt-Disney-Reihe, ihre Zuschauer. Durch ihre Liebe zur Literatur träumt sie davon, die Welt zu entdecken, was bei den übrigen Dorfbewohnern nicht gut ankommt. Sie singen, dass Belle sich „auf niemand‘ einlässt“ und „voll Fantasterein“ steckt, doch was sie nicht wissen, ist, dass Belle nicht nur die Gebildetste von ihnen ist, sondern auch aufgeschlossener und besonnener. Wenn ich mir dieses Einleitungslied von Die Schöne und das Biest anhöre, dann kann ich mich immer ein Stück weit mit Belle identifizieren. Sie wird zwar als „komisch“, „eigentümlich“ und „speziell“ bezeichnet, doch wie jeder weiß, ist es am Ende der Bücherwurm, der den Prinzen heiratet.

„Belle“ hilft mir nicht nur bei einer Schreib- sondern auch bei einer Leseblockade. Das Lied hat einen aufmunternden, fröhlichen Takt und die Geschichte der jungen Französin, die sich lieber in einer Fantasiewelt verliert, hat für mich etwas Reizvolles. Belle motiviert einen vielleicht nicht zum Drauflos-Schreiben, aber sie gibt den ersten Anstoß, eine wichtige Lektüre in die Hand zu nehmen. Und wie ich immer so schön sage: Viel gelesen ist halb geschrieben. 

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„ICH ARBEITE NOCH AN MEINEM MEISTERWERK“ – MASTERPIECE, JESSIE J

Nur, weil man sich vielleicht über sein Thema informiert hat, heißt das aber noch lange nicht, dass man sofort in die Tasten hauen kann. Das Gelesene muss ja auch erstmal verarbeitet und in einen neuen Kontext gebracht werden – kopieren kann jeder und noch dazu wäre das dann literarischer Diebstahl. Viele haben hierbei die meisten Probleme: ein Thema zu finden und die Gliederung zu erstellen fällt ihnen leicht, doch ihr Wissen dann auch noch gut formuliert aufs Papier zu bringen kann schon knifflig sein. Doch keine Sorge, auch hierfür gibt es natürlich passende Lieder zur Beruhigung und Motivation.

Viel gelesen ist halb geschrieben. Klick um zu Tweeten

„Du starrst auf das leere Papier, öffnest das dreckige Fenster und die Sonne strahlt die Wörter an, die du nicht finden konntest.“ Natasha Bedingfields „Unwritten“ ist wohl das beste Lied bei einer Schreibblockade, denn sie besingt den Kreativitätsmangel ganz direkt. In ihrem Song geht es darum, sich zu öffnen, sich auf die Umwelt und seine Mitmenschen einzulassen und die Erfahrungen, die man sammelt, in sich aufzusaugen. Sie singt davon, dass man  sein Leben genießen und nicht immer alles so ernst nehmen soll, denn niemand sonst „kann den Regen auf deiner Haut spüren [oder] die Worte sagen, die dir auf der Zunge liegen“. In Natasha Bedingfields Lied geht es aber natürlich auch um die Schreibblockade im übertragenen Sinn: „Heute ist der Tag, an dem dein Leben beginnt, die restlichen Seiten sind noch unbeschrieben.“ „Unwritten“ hat auf mich die Wirkung, die ein Spaziergang an der frischen Luft haben sollte: der Song beruhigt und befreit mich. Zum einen nimmt er mir den Stress und das Gefühl, dass man eigentlich schon fünf Seiten hätte schreiben müssen, zum anderen gibt er mir auch den Denkanstoß, erst einmal alles auf mich wirken zu lassen. Lies die wissenschaftlichen Studien, die Bücher und Zeitungsartikel, aber stürz dich nicht gleich in die Arbeit. „Lass dich von den ungesagten Wörtern durchnässen“, lass sie auf dich wirken und dann schreib sie auf.

Jessie Js „Masterpiece“ ist ähnlich. Zwar singt sie von Imperfektionismus und dass man nicht darauf hören sollte, was andere über einen sagen, aber die overall message kann man auch auf eine Schreibblockade beziehen: „Ich arbeite noch an meinem Meisterwerk.“ Manchmal schreibt man Ideen und Formulierungen auf, die man beim Kontrollesen wieder revidiert; man löscht einen Absatz, fügt ein neues Kapitel hinzu und sollte am besten gar nicht darauf hören, wenn andere meinen, es besser zu wissen – ein Meisterwerk braucht Zeit und lässt sich nicht innerhalb weniger Tage schreiben.

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„LANG LEBE UNSERE MAGIE“ – LONG LIVE, TAYLOR SWIFT

Vor allem, wenn man ein Buch schreiben möchte, ist Fantasie ein ganz großes Stichwort. Keine Inspiration, keine Idee und somit auch keine Geschichte: Herzlich Willkommen, Schreibblockade! Nun, ich möchte nicht angeben, aber ich habe da ein ziemlich cooles Lied gefunden, das einen in andere Welten versetzen kann. „Für einen Moment hat eine Band in zerrissenen Hosen die Welt regiert […] wir schüttelten uns die Hände und die Menschenmasse auf der Tribüne war außer sich.“ Während man „Long Live“ von Taylor Swift hört, kann man komplett abschalten. Man muss sich auch gar nicht in eine andere Welt hineindenken, mit Hilfe von Taylors Text geht das von ganz allein. Man hört von Königen, Helden, Trophäen und Magie – der Stoff, aus dem die Märchen sind. Alles was man hier zum Träumen braucht sind gute Kopfhörer, ein bequemes Sofa und viel Ruhe.

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„MIT DEINEN WORTEN KÖNNTEST DU DIE WELT VERÄNDERN, DOCH DU SPUCKST SIE NICHT AUS“ – READ ALL ABOUT IT, EMELI SANDÉ

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Vielleicht geht es nicht nur mir so, aber das ein oder andere Mal habe ich mich tatsächlich an ein Buch herangetraut – zum schreiben natürlich, nicht zum lesen. Ich war mir so sicher eine Geschichte parat zu haben, die andere gern lesen würden, doch dann packten mich Zweifel: Was, wenn nur ich die Story gut finde und sonst keiner? Also habe ich meinen roten Faden aufgeschrieben, das Dokument gespeichert und in einem Ordner abgelegt, auf den ich bis heute nicht mehr zugegriffen habe. Überzeugt bin ich von meiner Geschichte immer noch, doch ich habe keine Ahnung, wie ich meine Gedanken sortieren und so aufschreiben soll, dass sie veröffentlichungstauglich sind.

„Wenn es niemand zu hören bekommt, wie sollen wir dann je von deinem Lied erfahren?“ – Emeli Sandé Klick um zu Tweeten

Anscheinend hatten Emeli Sandé und Katy Perry ähnliche Probleme, denn in ihren Liedern „Read all about it“ und „Roar“ singen sie darüber. Außerdem stellen die beiden Songs auch einen wunderbaren Abschluss meiner Playlist dar, denn wir haben Motivation gesammelt, Recherche betrieben und sind in Fantasiewelten getaucht – jetzt müssen wir das alles nur noch aufs Papier bringen und dabei gilt: trau dich! „Wenn es niemand zu hören bekommt, wie sollen wir dann je von deinem Lied erfahren?“, singt Sandé und sie hat recht. Du wirst nie wissen, ob dein Buch der nächste Bestseller sein könnte, wenn du es nicht schreibst. Also, wie Katy Perry so schön sagt: Fang an zu brüllen!

6 comments

Simone 14. März 2018 - 13:13

Danke für die tolle Idee! Neue Inspiration kann ich immer brauchen. Ich werde auch gleich eine Playlist anlegen. Vielleicht küsst mich dann auch die Muse … 🙂
Liebe Grüße, Simone

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Marie-Theres Werner 14. März 2018 - 13:15

Hallo Simone! Es freut mich, dass dir der Beitrag gefällt. Schick mir dann gern auch deine Playlist – ich bin ja neugierig 😉
Liebe Grüße!

Reply
Ella W. 2. März 2018 - 13:39

Hey Marie,

ein schöner Text, der irgendwie zum Schreiben motiviert, obwohl ich eher der stille Schreiber bin. Es kommt nur selten vor, das ich mir Musik einschalte, da sie mich zu sehr ablenkt und meine Gedankengänge durchschneidet. Trotzdem finde ich deine Musikauswahl sehr gelungen. Gerade der letzte Absatz beinhaltet so viel Wahres!

Liebe Grüße
Ella ❤

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Marie-Theres Werner 2. März 2018 - 14:42

Hallo Ella. Vielen Dank für deine lieben Worte! Es freut mich, dass dir die Playlist gefällt und dich auch etwas motiviert. Aber dein Argument verstehe ich. Immer kann ich auch nicht Musik hören – irgendwann nervt es 😀

Reply
Jana Gierak 2. März 2018 - 10:50

Liebe Marie, deine Beiträge zu lesen bereitet mir immer sehr viel Freude. Dein Schreibstil gefällt mir sehr. Mach weiter so. Freue mich auf deinen nächsten Beitrag. Liebe Grüße von Jana.

Reply
Marie-Theres Werner 2. März 2018 - 11:03

Hallo Jana,
vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Ich freue mich, dass dir meine Beiträge gefallen und du auch in Zukunft meine Seite besuchen wirst. Über Verbesserungsvorschläge oder Buch- und Filmempfehlungen freue ich mich immer!
Liebe Grüße!

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