Rezension || 12 Years a Slave

by Marie-Theres Werner
WORUM GEHT ES?

„Solomon Northup lebte als freier Bürger, bis er von Sklavenhändlern verschleppt und an einen Plantagenbesitzer in Louisiana verkauft wurde. Zwölf Jahre erlitt er grausamste Gefangenschaft, bevor er seine Freiheit zurückgewann und zu seiner Familie heimkehrte. Seine Memoiren von 1853 sind nicht nur wertvolles historisches Testament, sondern auch berührendes Zeugnis eines mutigen und unnachgiebigen Mannes.“ (Quelle: Piper Verlag)

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MEINE MEINUNG:

Vor ein paar Jahren, kurz nachdem der Film veröffentlicht wurde, habe ich ihn mir angesehen und konnte mich noch gar nicht dafür begeistern. Ehrlich gesagt bin ich zwischendrin eingeschlafen und habe dann einige wichtige Szenen übersprungen, damit ich wenigstens das Ende noch mitbekomme. Dann, letztes Jahr, belegte ich das Seminar „Interracial Negotiations in Fiction and Film“ und nachdem wir einige andere Sklavengeschichte besprochen hatten – zum Beispiel die Biografie von Frederick Douglass – habe ich mich noch einmal an den Film und letztendlich auch an as Buch herangetraut. Und siehe da, es gefiel mir so gut, dass ich tatsächlich eine Hausarbeit über die Geschichte von Solomon Northup schrieb.

Solomon lebte mit seiner Familie in Saratoga, New York und wurde als freier Mann geboren. Damals, in den 1840er Jahren, gehörte er noch zu der Minderheit, denn die Sklaverei war zwar im Norden der USA nicht sehr ausgeprägt, aber doch sporadisch verbreitet. Zusammen mit seiner Frau und seinen drei Kindern lebte er in einem Haus, verdiente sein Geld mit Handwerksarbeiten und dem Violinspiel. In seiner Region ist er als Musiker sehr bekannt – häufig wird er dafür bezahlt, auf Feiern zu spielen. Doch sein Talent soll ihm schon bald zum Verhängnis werden, denn zwei Unbekannte – Mr Brown und Mr Hamilton – laden ihn nach Washington ein und bieten ihm eine immense Summe Geld dafür, dass er ihren Zirkus für etwa drei Wochen musikalisch begleitet. Ohne lang darüber nachzudenken, willigt Solomon ein, denn das Geld können er und seine Familie gut gebrauchen.

Die Auftritte bei den beiden Unternehmern scheinen gut zu laufen, denn bei einem Abschlussessen feiern die drei ihre Erfolge. Doch schon bald wird Solomon schrecklich übel, sodass er von den zwei vermeintlichen Gentlemen Brown und Hamilton auf sein Zimmer gebracht wird um sich auszuruhen. Dort wacht er jedoch nicht auf.
Gefesselt in einem Verlies kommt Solomon wieder zu Bewusstsein und denkt, dass es sich um einen Irrtum halten muss. Wütend stellt er zwei Männer, die sich als Sklavenhalter herausstellen, zu Wort und verlangt Gerechtigkeit für ihr Verhalten. Anstatt ihn freizulassen, wird Solomon allerdings ausgepeitscht und ihm wird somit das Schweigen beigebracht. Er erfährt, dass er als Sklave verkauft wurde; seine Unterlagen, die beweisen, dass er ein freier Mann ist, sind unauffindbar und somit muss sich Solomon seinem Schicksal fügen. Er wird auf einen Sklavenmarkt verschifft und dort, unter dem Namen Platt, von einem Mr Ford gekauft. Mit dem Verkauf an den recht fairen Sklavenhalter, tritt Solomon Northup offiziell in das Sklavenleben ein. Er bekommt Arbeitskleidung, muss sich mit mehreren Leuten eine Kabine teilen und muss von früh morgens bis spät abends dem Zimmermann Tibeats assistieren.

Da Solomon über dreißig Jahre als freier Bürger von New York gelebt hat, fällt es ihm schwer, seine „Kollegen“ als Dienstherren anzusehen. Vor allem mit John Tibeats legt er sich des öfteren an, da er es sich verbietet, als zweitrangig und untergeordnet behandeln zu lassen. Die Streitigkeiten und Drohungen von Tibeats Seite aus gehen so weit, dass Mr Ford sich gezwungen sieht, Solomon an einen Nachbarn zu verkaufen. Bei seinem neuen Besitzer, Mr Epps, verbringt er zehn Jahre, bis er endlich befreit wird.
Edwin Epps stellt sich als grausamster Skalvenhalter, bei dem Solomon gelebt hat, heraus. Er ergötzt sich regelrecht daran, seine schwarzen Arbeiter zu misshandeln. Des Weiteren lernt der Protagonist, sich in die Sklavengemeinschaft einzubringen, denn als Einzelgänger ist es schier unmöglich, die mentalen und körperlichen Gewalttaten zu überleben.

Nach zwölf Jahren harter Arbeit gelingt es Solomon, Kontakt mit Freunden von Saratoga aufzunehmen und er wird von Edwin Epps strenger Hand befreit. Es fällt einem sehr schwer, über die Sklaverei zu lesen. Für jemanden, der im 21. Jahrhundert lebt, ist es unvorstellbar, dass afro-amerikanische Bürger einst ausgepeitscht und wie Tiere behandelt wurden. Solomon Northups Geschichte ist auch vor allem deswegen interessant, weil er nicht, wie die meisten, in die Sklaverei hineingeboren, sondern als unabhängiger, freier Mitmensch gekidnappt und verkauft wurde.

12 Years a Slave ist ein unglaublich packendes Buch und ich bin froh, dass ich Solomons Geschichte eine zweite Chance gegeben habe. Meiner Meinung nach ist es eine Biografie, die jeder einmal gelesen haben sollte. Sie regt zum Nachdenken über das Miteinander und Behandeln von Menschen an und zeigt uns gleichzeitig, dass Rassismus auch heute leider noch ein vorherrschendes Thema ist.

Hinweis
Diese Rezension sowie die unten stehende abschließende Bewertung basieren einzig und allein auf meiner subjektiven, ehrlichen Meinung. Alle angesprochenen Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge können nicht auf die allgemeine Leserschaft des Buches bezogen werden. 
ECKDATEN ZUM BUCH:

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Quelle: Piper Verlag

Erscheinungstermin: 17.02.2014
Seiten: 288
ISBN: 978-3-492-30614-0
Autor: Solomon Northup
Originaltitel: 12 years a slave
Übersetzer
: Johannes Sabinski, Alexander Weber
Preis: 9,99€ (Taschenbuch), 2,99€ (E-Book)

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INFORMATIONEN ZUM AUTOR:

Solomon Northup, geboren 1807 in New York, war ein freier Bürger, bis er verschleppt und in die Sklaverei verkauft wurde. Erst zwölf Jahre später konnte er seine Freiheit wieder erlangen und schrieb noch im selben Jahr seine Memoiren. Um den Abolitionismus, eine Bewegung zur Abschaffung der Sklaverei, zu unterstützen, hielt er Vorträge über seine Erfahrungen und das Leben als Sklave. Ort und Datum seines Todes sind nicht bekannt. (Quelle: Piper Verlag)

2 comments

RoXXie SiXX 19. Juli 2019 - 13:27

Mir ging es anfangs mit dem Film wie dir. Ich bin einfach drüber eingeschlafen. Da ich das Thema aber an sich schon immer interessant fand und Erfolgsgeschichten aus dieser tragischen Zeit der USA faszinierend finde, musste ich diesem Film eine zweite Chance geben. An das Buch selbst hab ich mich noch nicht gewagt. Deine Rezension hat mir das Buch aber wieder einmal in Erinnerung gerufen. Vielen Dank. Werde es direkt auf meinen Wunschzettel packen.

Reply
Marie-Theres Werner 23. Juli 2019 - 18:14

Das freut mich sehr! Ich hoffe, du findest das Buch genauso spannend wie ich. Lass es mich gern wissen, wie es dir gefallen hat 🙂

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