Rezension || Das Bild der Zeit

by Marie-Theres Werner
Anzeige: Dieses Rezensionsexemplar wurde mir vom Autor zur Verfügung gestellt.
WORUM GEHT ES?

„Was passiert mit einem Menschen, dessen Geist in einen anderen Körper versetzt wird? Worauf gründet sich unser so sicher geglaubter Eindruck von Identität?
Als Sigi Schnitzler, ein begnadeter Kunstmaler, und sein Freund Karl-Heinz in einem Berliner Keller eine mysteriöse Schwarze treffen, ahnen sie nicht, dass bald genau diese Fragen auf sie einstürmen werden. Ohne es zu wissen, sind sie Figuren in einem tödlichen Spiel, dessen Anfänge zurückreichen in das Berlin und Lissabon des Zweiten Weltkriegs. Auch Sigis brasilianische Frau Joana gerät unter die Schatten der Vergangenheit, während ihr Mann um ein Werk ringt, das die Protagonisten in seinen Sog zieht: Das Bild der Zeit. Sigi und Karl-Heinz werden innerhalb weniger Tage von Freunden zu Feinden. Einer von ihnen würde alles tun, um das Spiel weiterzuführen; der andere will es beenden; um jeden Preis …“ (Quelle: adakia Verlag)

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MEINE MEINUNG:

Nach Freaky Friday und anderen diversen Disney-Filmen, in denen Mutter und Tochter oder Freund und Freundin die Körper tauschen und die komplette Handlung eher einer Komödie gleicht, fand ich es sehr spannend, einmal eine ernstere Auffassung dieser Zauberei zu lesen. Das Bild der Zeit beinhaltet zwar nur wenige lustige Szenen, fokussiert dafür aber eher auf die Frage nach Identität (Kann ich trotzdem ich selbst sein, obwohl ich in dem Körper eines anderen stecke?) und wahrer Kunst (Kann man den Wind, die Macht, die Zeit malen?).

Es ist das Jahr 2010: Sigi, ein begabter, aber weniger erfolgreicher Maler, und sein Freund Karl-Heinz, ein Antiquitätenhändler, tauschen ihre Körper nachdem sie sich über ihr eigenes Leben beklagt haben: wie viel schöner wäre es doch, wenn sie einmal in die Haut des anderen schlüpfen könnten? Ein Zaubererassistent hört diesen Wunsch und führt sie in einen abgelegenen Keller. Dort ergreift Maria Mulambo, der Geist einer früheren Hexe, Besitz von seinem Körper und tauscht die Seelen der beiden Freunde aus. Eine Woche müssen sie unter der Identität des anderen auskommen, erst dann können sie sich zurückverwandeln.

„Das Bild der Zeit“ befasst sich neben dem Thema der Magie auch mit der Frage nach Identität und wahrer Kunst. Klick um zu Tweeten

Am Anfang sind Sigi und Karl-Heinz etwas geschockt und finden sich nur schwer in ihr neues Leben ein, doch je mehr Zeit verstreicht, desto einfacher fällt es ihnen. Nach nur wenigen Tagen gehen sie in ihren neuen Rollen förmlich auf: Karl-Heinz verkauft Sigis Bilder für eine Unmenge an Geld; für die Summe, die die Bilder auch wirklich wert sind, aber die Sigi nie gefordert hat, und sein Freund macht dafür in seinem Antiquitätenladen bessere Geschäfte als Karl-Heinz selbst schaffte. Während Sigi jedoch anfängt seine Frau und sein altes Leben zu vermissen, findet sein Tauschpartner immer mehr Gefallen am Leben des Malers – endlich hat er eine Frau, die ihn scheinbar liebt, an seiner Seite und kann mit den Bildern seines Freundes ein Vermögen machen. Die Woche nähert sich dem Ende, doch nur noch einer möchte in seinen alten Körper zurück. Könnten Sigi und Karl-Heinz auch in ihren neuen Leben glücklich werden?

Vielleicht konnte er wie eine Schlange seine alte Haut abstreifen und in die schlüpfen, die ihm gemäß war. Das hieße aber auch, dass Sigi den nächsten Tag über bis Mitternacht sein Feind war […]. Erst danach wäre er für alle Zeit in seinem neuen Körper zu Hause.Ruprecht Günther, Das Bild der Zeit, adakia Verlag

Zur gleichen Zeit im Jahr 1941 steht Kamila im Mittelpunkt der Geschichte. Sie ist eine Polin, die als Arbeiterin in einer deutschen Fabrik Feldstechergehäuse für die Soldaten anfertigen muss. Zwischenzeitlich muss sie außerdem als Begleitung und vielleicht sogar Inspiration für den anwesenden Doktor dienen, in dem sie ihm, während er seiner Arbeit nachgeht, Gesellschaft leistet.

Die Geschichte, die hinter Das Bild der Zeit steckt, fand ich sehr spannend, doch war es teilweise etwas schwer zu durchschauen, in welchem Verhältnis die Charaktere zueinander stehen. Auch der Spannungsbogen beginnt erst recht spät im Buch, sodass alle offenen Verknüpfungen auf nur ein paar Seiten erklärt werden. Hier habe ich mich dabei ertappt, wie ich die ein oder andere Seite noch einmal lesen musste, um die verschiedenen Beziehungen der Charaktere untereinander auch richtig zu verstehen. Für mich hätte das Buch ruhig noch fünfzig Seiten länger sein können, auf denen der Autor die unterschiedlichen Verbindungen mehr im Detail beschreibt.

Das Bild der Zeit ist ein Drama, aber auch Fantasy-Roman, der seine Leser fordert und an bestimmten Stellen zum Nachdenken anregt. Klick um zu Tweeten

Die Darstellung der Charaktere und die der Magie fand ich allerdings sehr gut gelungen. Keine Person im Buch glich einer anderen – jede hatte seine eigenen Wesenszüge und Eigenheiten. Auch wie der Autor das Thema Zauberei im Buch eingebunden hat, fand ich gelungen. Hier und da habe ich beim Lesen überlegt, ob es diesen geheimnisvollen Keller wirklich gibt oder ob nicht doch irgendwo auf der Welt eine Person lebt, die solch einen Zauber vollführen könnte. Das Bild der Zeit ist ein Drama, aber auch Fantasy-Roman, der seine Leser fordert und an bestimmten Stellen zum Nachdenken anregt.

Hinweis
Diese Rezension sowie die unten stehende abschließende Bewertung basieren einzig und allein auf meiner subjektiven, ehrlichen Meinung. Alle angesprochenen Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge können nicht auf die allgemeine Leserschaft des Buches bezogen werden. 
ECKDATEN ZUM BUCH:

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Quelle: adakia Verlag

Erscheinungstermin: 16.03.2015
Seiten: 265
ISBN: 978-3-941935-19-8
Autor: Ruprecht Günther
Preis: 11,90€ (Taschenbuch)

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INFORMATIONEN ZUM AUTOR:

Ruprecht Günther wurde 1954 bei München geboren. 1982 schloss er die Fachhochschule für Grafik-Design mit einem Diplom ab. Danach verfolgte er die freiberufliche Arbeit als Grafiker und Illustrator. 1997 reiste er zum ersten Mal nach Brasilien. Weitere Reisen durch das riesige Land folgten, in denen er das brasilianische Portugiesisch erlernte. 2002 zog er im Dezember nach Salvador da Bahia. In Salvador baute er einen kleinen aber feinen Post- und Kunstkartenverlag auf. Seitdem widmet er sich dem Schreiben, Fotografieren und seiner – oft brasilianisch inspirierten – Musik. Mit dem Motorrad durchstreift er die Favelas und dokumentiert das Leben der Menschen mit der Kamera. Im Laufe der Jahre entstanden etliche Kurzgeschichten, sowie einige Romane. Weitere Werke von Ruprecht Günther sind unter anderem Im Zeichen der Götter, Der Botschafter des Teufels und Die Lüchsin. (Quelle: Amazon)

4 comments

emilayana 8. April 2018 - 19:28

Das Buch hört sich wirklich unglaublich spannend an. ich bin ja auch ein absoluteer Fantasyliebhaber und könnte mir vorstellen dort auf meine Kosten zu kommen.
Allerdings schreckt es mich etwas ab, dass man Sätze doppelt lesen muss um Zusammenhänge zu verstehen, denn normalerweise verbinde ich so etwas nicht mit einem guten Buch. Allerdings kann ich verstehen, dass man dadurch auch mehr nachdenken muss.
Das Buch hört sich wirklich unglaublich toll an und ich werde es auf jeden Fall im Auge behalten.

Liebe Grüße
Svenja von Bücherfieber

Reply
Marie-Theres Werner 8. April 2018 - 19:30

Hallo Svenja,
lieben Dank für deinen Kommentar. Lass dich von der Tatsache, dass ich einige Seiten doppelt lesen musste, nicht abschrecken. Rezensionen basieren ja immer auf subjektiven Meinungen und nur, weil ich einen Satz mehrmals lesen musste, heißt es nicht, dass das bei dir ebenfalls der Fall sein wird 😉
Wenn du es einmal lesen solltest, dann lass mich wissen wie es dir gefallen hat!
Liebe Grüße!

Reply
Janika 8. April 2018 - 16:48

Liebe Marie,

du stellst auf deinem Blog immer so schöne Bücher vor, das meine Wunschliste quasi mit jeder Rezension wächst!
Gerade die Aspekte der Magie und den vertauschten Körpern finde ich in dem Roman sehr interessant.

Ich wünsche dir ein schönes Restwochenende 🙂
Liebe Grüße,
Janika

Reply
Marie-Theres Werner 8. April 2018 - 17:08

Hallo Janika,
es freut mich unglaublich, dass meine Rezensionen andere Leute inspirieren und dazu verleiten, sich die Bücher zu besorgen 🙂 „Das Bild der Zeit“ ist allerdings kein Roman, den man mal so schnell zwischendurch lesen kann. Er verlangt recht viel Konzentration ab.
Liebe Grüße!

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