Rezension || Der Gott der kleinen Dinge

by Marie-Theres Werner
WORUM GEHT ES?

„In ihrem Bestsellerroman Der Gott der kleinen Dinge erzählt Arundhati Roy die schillernde Geschichte einer Familie, die an einer verbotenen Liebe zerbricht. Als die 31-jährige Rahel nach vielen Jahren zurückkehrt in ihr Heimatdorf im südindischen Kerala, ist nichts mehr, wie es einst war. Die Konservenfabrik der Familie verfallen, die geliebte Mutter tot, der Zwillingsbruder verstummt. Zurückgeblieben sind nur die Erinnerungen an eine Kindheit am Fluss, an die bewundernde Liebe zu Velutha, dem dunklen Angestellten ihrer Großmutter, und an einen tragischen Tag im Jahr 1969, der alles veränderte. Eine magische Geschichte vor dem Hintergrund der politischen Umbrüche Indiens.“ (Quelle: S. Fischer Verlage)

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MEINE MEINUNG:

Der Gott der kleinen Dinge war für mich keine einfache Lektüre. Das Buch spielt auf zwei Zeitebenen und oft war am Anfang eines Kapitels nicht klar, in welcher ich mich befinde. Die Geschichte an sich war spannend, doch hat sie erst recht spät angefangen einen Sinn zu ergeben. Außerdem gibt es sehr viele handelnde Personen und Zwischenereignisse, die für den Leser verwirrend sein können.

Die Geschichte der zweieiigen Zwillinge Rahel und Estha spielt in Ayemenem, Indien im Jahr 1969, als die Geschwister sieben Jahre alt waren und 1993, dem Jahr, in dem sie mit 31 Jahren wieder zueinander finden. Ihre Mutter Ammu wuchs in gewalttätigen Verhältnissen auf. Ihr Vater, Pappachi, war bekannt dafür, dass er seine Frau und teilweise auch Tochter regelmäßig schlug. Als Ammu einen Sommer bei ihrer Tante in Calcutta verbringt, lernt sie einen Mann kennen, den sie kurz darauf heiratet, um zu verhindern, dass sie zu ihren Eltern zurück nach Ayemenem muss. Sie wird schwanger, findet heraus, dass ihr Ehemann Alkoholiker ist und sie für Sex an seinen Boss verkaufen wollte, reicht die Scheidung ein und kehrt mit zwei Babys und einem gebrochenem Herzen zu Pappachi und Mammachi zurück.

Wichtig für die Geschichte sind außerdem Ammus Bruder Chacko und ihre Tante Baby Kochamma. Chacko studierte in England, lernte dort seine zukünftige Frau Margaret kennen, die ihn aber wenig später für einen anderen Mann verließ. Die beiden haben eine Tochter, Sophie. Baby Kochamma ist, was das Thema Liebe angeht, ebenfalls sehr verbittert, denn als junges Mädchen verliebte sie sich in einen irischen Priester. Um ihm näher zu sein, konvertierte sie zur römisch-katholischen Kirche und trat einem Kloster bei, doch ihre Taten waren vergebens. Der Mann, den sie liebte, würdigte sie keines Blickes und sie blieb für den Rest ihres Lebens unverheiratet.

„Der Gott der kleinen Dinge“ ist keine leichte Lektüre, die Geschichte, die Arundhati Roy mit ihrem Roman erzählt, schafft es jedoch – wenn auch spät – seine Leser zu fesseln. Klick um zu Tweeten

Als Margarets zweiter Ehemann bei einem Autounfall ums Leben kommt, lädt Chacko sie und ihre gemeinsame Tochter Sophie ein, Weihnachten bei ihm in Ayemenem zu verbringen. Eines Tages ist die ganze Familie unterwegs ins Theater, als kommunistische Demonstranten das Auto umzingeln und Baby Kochamma auffordern, eine rote Flagge zu schwenken und einen kommunistischen Slogan zu singen. Als kurz darauf Sophie bei einem targischen Unfall ums Leben kommt, wird Baby Kochamma klar, dass der Demonstrant, der sie in aller Öffentlichkeit gedemütigt hat, dafür verantwortlich sein muss. Somit geht sie zur Polizei und wirft einem unschuldigen Mann die wohl grausamsten Taten vor.

Wenn man sich die Geschichte einmal von Anfang bis Ende zusammen bastelt, klingt sie wahnsinnig spannend, doch der Handlungsstrang war für mich nur schwer zu erkennen. Vielleicht lag das aber auch daran, dass ich die englische Version gelesen habe – der Übersetzer hat es für die deutsche Fassung möglicherweise etwas leichter formuliert, damit auch alles ersichtlich ist. Oft habe ich die Zeitsprünge verpasst und dann mitten im Kapitel erst verstanden, dass ich mich im Jahr 1993 und nicht 1969 befinde.
Die letzten einhundert Seiten haben mir dann aber doch noch gut gefallen, da sich die Autorin hier nur auf die Haupthandlung konzentriert hat und diverse Nebenhandlungen außen vor ließ. Das Ende des Buches hat mich dann regelrecht schockiert und war auch nicht vorherzusehen. Wer also etwas Zeit hat, sich durch die einzelnen Kapitel zu kämpfen, dem kann ich Der Gott der kleinen Dinge empfehlen. Es ist kein Roman für zwischendurch, die Geschichte wird einem dafür aber länger in Erinnerung bleiben.

Hinweis
Diese Rezension sowie die untenstehende abschließende Bewertung basieren einzig und allein auf meiner subjektiven, ehrlichen Meinung. Alle angesprochenen Kritikpunkte sowie Verbesserungsvorschläge können nicht auf die allgemeine Leserschaft des Buches bezogen werden. 
ECKDATEN ZUM BUCH:

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Quelle: S. Fischer Verlage

Erscheinungstermin: 05.08.1997
Seiten: 448
ISBN: 978-3-596-29952-2
Autorin: Arundhati Roy
Originaltitel: The God of small things
Übersetzerin
: Anette Grube
Preis: 10€ (Taschenbuch), 9,99€ (E-Book)

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INFORMATIONEN ZUR AUTORIN:

Arundhati Roy wurde 1959 geboren, wuchs in Kerala auf und lebt in Neu-Delhi. Den internationalen Durchbruch schaffte sie mit ihrem Debüt Der Gott der kleinen Dinge, für das sie 1997 den Booker Prize erhielt. Aus der Weltliteratur der Gegenwart ist er nicht mehr wegzudenken. In den letzten zehn Jahren widmete sie sich außer ihrem politischen und humanitären Engagement vor allem ihrem zweiten Roman Das Ministerium des äußersten Glücks. (Quelle: S. Fischer Verlage)

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