Rezension || Die Abtei von Northanger

by Marie-Theres Werner
WORUM GEHT ES?

„Die lebhafte Catherine führt ein zurückgezogenes und bescheidenes Leben auf dem Land. Weder besonders schön noch vermögend, halten sich auch ihre Aussichten auf eine aufregende Zukunft in Grenzen. Um der Langeweile ihres Alltags zu entfliehen, beflügelt sie ihre Fantasie mit Hilfe von Schauerromanen. Ihr Leben nimmt eine ungeahnte Wende, als sie eines Tages den jungen Henry kennenlernt und auf dessen Familienanwesen in Northanger eingeladen wird. Dort meint Catherine nicht nur düsteren Familiengeheimnissen auf der Spur zu sein, sondern sieht sich schnell auch in ein heilloses Gefühlschaos verstrickt …“ (Quelle: Suhrkamp Insel Verlag)

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MEINE MEINUNG:

Catherine Morland ist der Charakter von Jane Austen, mit dem ich mich am meisten identifizieren kann. Durch ihre Freundin Isabella wächst ihre Liebe zur Literatur und täglich begibt sie sich auf fantasievolle Abenteuerreisen. Vor allem die Schauerromane von Anne Radcliffe liest sie besonders gern.

Als sie auf einem Ball Henry Tilney kennenlernt, ist Catherine sofort von ihm begeistert. Er ist gutaussehend, höflich und stammt aus einer wohlhabenden Familie. Auch seine Schwester Eleanor, die Catherine bald darauf trifft, macht einen freundlichen Eindruck. Durch ihre Liebe zu Büchern scheint die Protagonistin allerdings sehr realitätsfern und naiv zu sein, denn die Abenteuer, die die Helden in ihren Romanen erfahren, ziehen Catherine in ihren Bann. Im Verlaufe des Buches fällt es ihr immer schwerer die wirkliche Welt von der Fantasie zu unterscheiden.

Die Person, gleich ob Gentleman oder Lady, die kein Vergnügen an einem guten Roman findet, muss unerträglich dumm sein. Jane Austen, Die Abtei von Northanger, Suhrkamp Verlag

Iabella verliebt sich zu Beginn des Romans in Catherines Bruder James und die beiden verloben sich. Wie ich es in einer anderen Rezension schon einmal angesprochen hatte, brauchen die wahren Liebesgeschichten in Jane Austens Büchern Zeit. Wenn ein Pärchen schon auf den ersten Seiten zusammenkommt, ist es entweder eine Zwangsehe oder die ‚Liebe‘ steht unter einem schlechten Stern. So ist es leider auch bei Isabella und James, denn als sie auf einem Ball den älteren Bruder von Henry, Frederick, sieht, ist sie ganz angetan von dem Mann in Militärsuniform. Kurz darauf lässt Isabella James mit einem gebrochenen Herzen sitzen und verlobt sich mit dem älteren Tilney.

Catherine wird unterdessen von Henrys Vater, General Tilney, auf deren Anwesen in Northanger eingeladen. Sie und Henry haben hier vor allem viel Zeit, sich besser kennenzulernen und die Liebe zwischen den beiden scheint zu wachsen. Als Catherine allerdings vom Tod Mrs Tilneys erfährt, sieht sie sich wieder in der Hauptrolle eines ihrer Schauerromane. Sie ist fest davon überzeugt, der General hätte seine eigene Frau umgebracht und sie versucht, dies zu beweisen. Henry ist natürlich bestürzt, als er erfährt, wie Catherine über seinen Vater denkt und nur wenige Momente später wirft sie der alte Mr Tilney vor die Tür.

Eine junge Dame, der im eigenen Dorf keine Abenteuer widerfahren, muss diese in der Fremde suchen.Jane Austen, Die Abtei von Northanger, Suhrkamp Verlag

Die Abtei von Northanger wird auch als Entwicklungsroman bezeichnet, da es die geistige Entwicklung Catherines zeigt. Als naives Mädchen glaubt sie zu Beginn des Romans alles, was in ihren Büchern steht und es fällt ihr schwer, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden. Nach einem Gespräch mit Henry über Literatur und ihre spätere Erkenntnis, dass ihr Verdacht gegenüber dem General falsch war, vollzieht sich in Catherine eine Wandlung. Sie ist reflektierender, gibt sich nicht so schnell den Vorurteilen hin und liest Bücher nur noch zum Vergnügen.

Jane Austen hat viel Humor in dieses Buch hineingesteckt. Mit einer Protagonistin, die sich viel zu oft in ihrer eigenen Welt verliert, hat die Autorin schon im 19. Jahrhundert einen Charakter geschaffen, in den ich mich noch heute sehr gut hineinversetzen kann. Die Geschichte ist lebendig, spannend und doch auch voller Gefühl. Das Happy End zum Schluss erschien erst unerwartet, doch es wäre kein Jane Austen Roman, wenn es das nicht gegeben hätte.

Ein Buch für alle, die manchmal ein bisschen realitätsfern sind.

Hinweis
Diese Rezension sowie die unten stehende abschließende Bewertung basieren einzig und allein auf meiner subjektiven, ehrlichen Meinung. Alle angesprochenen Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge können nicht auf die allgemeine Leserschaft des Buches bezogen werden. 
ECKDATEN ZUM BUCH:

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Quelle: Suhrkamp Insel Verlag

Erscheinungstermin: 20.05.2013
Seiten: 232
ISBN: 978-3-458-36243-2
Autorin: Jane Austen
Originaltitel: Northanger Abbey
Übersetzerin
: Margarete Rauchenberger
Preis: 6,95€ (Hardcover), 8,50€ (Taschenbuch), 1,49€ (E-Book)

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INFORMATIONEN ZUR AUTORIN:

Jane Austen wurde am 16. Dezember 1775 in Steventon geboren. Dank der umfangreichen Bibliothek ihres Vaters fand sie früh Zugang zur Literatur und begann bereits im Alter von zwölf Jahren mit dem Schreiben. 1801 zog die Familie in den Kurort Bath, den Austen später häufig zum Schauplatz ihrer Romane machte. 1811 veröffentlichte sie den Roman Sense and Sensibility (Verstand und Gefühl), gefolgt von Pride and Prejudice (Stolz und Vorurteil, 1813), Mansfield Park (1814) und Emma (1816). Die Werke erschienen anonym und auf ihr eigenes finanzielles Risiko. Als Autorenangabe fand sich darin nur der Hinweis: »By a Lady«. (Quelle: Suhrkamp Insel Verlag)

1 comment

Anett 5. Mai 2019 - 8:08

Hallo Marie,
das Buch liegt auch noch ungelesen in meinem Regal. Ich liebe Jane Austen nd wollte das Buch eigentlich schon längst gelesen haben.
Jetzt wandert es gleich mal auf meinem Stapel höher und ich freu mich schon darauf!

Liebe Grüße Anett.
#litnetzwerk

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