Rezension || Die Zwillinge von Highgate

by Marie-Theres Werner
WORUM GEHT ES?

„Elspeth war Roberts große Liebe. Jetzt liegt sie auf Highgate, dem romantisch verwildertem Friedhof Londons. Doch Elspeth scheint lebendiger als je zuvor, denn die Erinnerungen sind stärker als der Tod. Robert riecht sie, spürt sie, spricht mit ihr. Es ist als lebe sie weiter und als sei ihr Tod nur ein böser Traum. Alle, die ihr nahestanden, geraten in ihren Bann. Bis ihre Nichten, die Zwillinge Valentina und Julia eine fatale Wette mit ihr eingehen.“ (Quelle: S. Fischer Verlage)

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MEINE MEINUNG:

Nach Die Frau des Zeitreisenden bin ich mit großen Erwartungen an dieses Buch herangegangen, doch leider konnte Audrey Niffenegger mit Die Zwillinge von Highgate nicht wirklich bei mir punkten. Angepriesen wird der Roman als „unheimliche Liebesgeschichte“, doch die Ereignisse sind weder Furcht erregend, noch handelt es sich wirklich um eine Romanze.

Die Haupthandlung dreht sich um zwei Zwillingspaare: Elspeth und Edie sowie Edies Töchter Julia und Valentina. Elspeth und ihre Schwester sind schon seit mehreren Jahrzehnten zerstritten und als sie an Leukämie stirbt, erben nur ihre Nichten – Edie geht leer aus. Den 21-jährigen Mädchen wird Elspeths Wohnung mitsamt ihrem Vermögen überschrieben. Im Testament hat sie außerdem ein paar Regeln aufgestellt: Julia und Valentina müssen ein Jahr in ihrem Apartment gewohnt haben, bevor sie es verkaufen dürfen. Und: Edie und ihr Mann Jack haben keinen Zutritt. Obwohl die beiden Spiegelbild-Zwillinge noch nie für einen längeren Zeitraum ihr Zuhause verlassen haben, lassen sie sich auf das Abenteuer ein und fliegen von Chicago nach London – ihrer neuen Heimat.

Als „unheimliche Liebesgeschichte“ wird Audrey Niffeneggers' Roman „Die Zwillinge von Highgate“ angepriesen. Aber ist er das wirklich? Klick um zu Tweeten

Julia und Valentina sehen sich zum Verwechseln ähnlich und doch sind sie komlpett verschieden. Während Julia ein normales Mädchen ist, ist bei ihrer Schwester alles spiegelverkehrt – und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Alle Organe und Muttermale, sogar der Haarscheitel sind bei Valentina auf der anderen Seite des Körpers angeordnet. Es scheint so, als ergänzten sie sich perfekt: Julia ist selbstbewusst und gibt gern den Ton an, Valentina ist zurückhaltend und folgt meistens nur den Anweisungen ihrer Schwester.
In London leben sich die Zwillinge recht schnell ein. Gemeinsam lernen sie die Stadt kennen und schließen Bekanntschaft mit ihren Nachbarn. Doch schon bald soll sich das harmonische Miteinander der Mädchen ändern, denn was sie nicht wissen, ist, dass ihre Tante Elspeth als Geist anwesend ist, jeden ihrer Schritte beobachtet und schon bald Kontakt zu ihnen aufnehmen wird.

Was mir an Die Zwillinge von Highgate gut gefallen hat, ist, dass sich jeder Charakter, der vorgestellt wird, mit einem Neuanfang beschäftigen muss – egal ob nach dem Tod einer geliebten Person, nach einer Trennung oder nach einem Umzug, jeder von ihnen muss lernen, was es heißt, allein zu sein. Außerdem mochte ich die Art und Weise, wie die Personen miteinander verknüpft wurden, doch nach etwa zwei Dritteln des Buches kippte die Handlung und auch die Beziehungen wurden immer obszöner und unpassender.
Ich finde das Cover ist auch etwas irreführend. Vorgestellt hatte ich mir eine Familiengeschichte oder sogar Romanze, doch ich habe nicht damit gerechnet, dass sich das Buch in eine Geschichte voller Wiederauferstehungen, Seelenraub und undurchschaubaren Verwechslungen verwandelt.

Eine Geschichte voller Wiederauferstehungen, Seelenraub und undurchschaubaren Verwechslungen. Klick um zu Tweeten

Die Zwillinge von Highgate ist nicht unbedingt ein Buch, dass ich jedem weiterempfehlen würde. Der Einstieg in die Handlung war sehr langwierig. Zwar waren mir die Charaktere alle sympathisch, doch ihre gemeinsamen Geschichten plätscherten nur stockend vor sich hin. Audrey Niffenegger hat ein Händchen für unvorhersehbare Wendungen, doch leider konnten diese ihren Roman nicht spannender gestalten.

Hinweis
Diese Rezension sowie die unten stehende abschließende Bewertung basieren einzig und allein auf meiner subjektiven, ehrlichen Meinung. Alle angesprochenen Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge können nicht auf die allgemeine Leserschaft des Buches bezogen werden. 
ECKDATEN ZUM BUCH:

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Quelle: S. Fischer Verlage

Erscheinungstermin: 12.04.2011
Seiten: 464
ISBN: 978-3-596-18175-9
Autorin: Audrey Niffenegger
Originaltitel: Her fearful symmetry
Übersetzerin
: Brigitte Jakobeit
Preis: 9,99€ (Taschenbuch)

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INFORMATIONEN ZUR AUTORIN:

Audrey Niffenegger lebt als Schriftstellerin und bildende Künstlerin in Chicago. Ihr erster Roman ›Die Frau des Zeitreisenden‹ steht seit Erscheinen 2004 auf den Bestsellerlisten und wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt. Niffenegger liebt ›Alice im Wunderland‹ und Rilke, sammelt Schmetterlinge, Bücher und Comics. (Quelle: S. Fischer Verlage)

4 comments

Janne 14. März 2018 - 20:21

Super, vielen lieben Dank für diese hilfreiche Rezension!
Ich hatte nämlich schon überlegt, mir dieses Buch zu kaufen. Nach deiner Bewertung weiß ich nun aber, dass ich mich lieber nach etwas anderem umschauen werde 😉

Liebe Grüße
Janne von LYREBIRD

Reply
Marie-Theres Werner 14. März 2018 - 20:24

Hallo Janne! Es freut mich, dass dir meine Rezension weiter geholfen hat. Wenn du allerdings auf Mystery Romane stehst, dann ist das Buch vielleicht doch etwas für dich. Ich würde von Audrey Niffenegger allerdings eher „Die Frau des Zeitreisenden“ empfehlen, falls du es noch nicht kennst 😉

Reply
Simplicissima 13. März 2018 - 15:30

Ich kann mich nicht mehr richtig an das komplette Buch erinnern, wenn ich ehrlich bin – dafür ist es zu lange her. Aber ich weiß noch, dass mich das Ende wirklich enttäuscht hat, ich habe mich sogar wahnsinnig geärgert, so unbefriedigend war es. Also ist mir das Buch trotz des tollen Schreibstils auch eher negativ in Erinnerung geblieben – jetzt habe ich aber Lust, mal wieder reinzulesen 🙂

Reply
Marie-Theres Werner 13. März 2018 - 15:32

Hey! Ja, das Ende hatte mich auch schockiert. Als ich das Buch durch hatte, dachte ich mir nur „Wie, das wars?“ Da ich „Die Frau des Zeitreisenden“ gelesen und wirklich geliebt hatte, war ich von der Autorin auch anderes gewohnt. Vielleicht konnte ich mich dadurch auch nicht ganz auf die Geschichte einlassen. Wer weiß …
Danke für deinen Kommentar 🙂 !

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