Rezension || Einfach unvergesslich

by Marie-Theres Werner
WORUM GEHT ES?

„Neuerdings weiß Claire nicht mehr, welcher Schuh zu welchem Fuß gehört. Oder wie das orangefarbene Gemüse heißt, das auf dem Herd köchelt. Und manchmal geht sie im Pyjama spazieren. Sie weiß, dass das nicht normal ist. Doch das Leben ist zu kurz, um Trübsal zu blasen. Und so schreibt sie, noch bevor die letzte Erinnerung verblasst, all die großen und kleinen Momente der vergangenen Jahre nieder. Wohl wissend, dass diese Gedankenschnipsel schon bald das Einzige sein werden, was ihrer Familie von ihr bleibt. Dabei gibt es noch so viel zu erledigen: Sie muss sich mit ihrer Tochter versöhnen und ihrem Mann zeigen, wie sie die Lieblingslasagne ihrer Kinder zubereitet. Sie muss ein letztes Mal leben, frei sein, sich vielleicht auch neu verlieben. Denn das Leben ist eine Wundertüte. Und wenn die Zeit davonrennt, ist jede Minute kostbar.“ (Quelle: Piper Verlag)

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MEINE MEINUNG:

Ich habe schon mehrere Bücher über die Alzheimer-Krankheit gelesen und doch wird jedes Mal anders mit dem Thema umgegangen. In Einfach unvergesslich geht es zwar auch zum Teil um den Erinnerungsverlust, doch vor allem erschafft sich die Protagonistin eine eigene Welt, in der sie von nun an gemeinsam mit ihrer Krankheit lebt.

Geschrieben aus der Ich-Perspektive von Claire bekommt man einen wunderbaren Einblick in ihren Kopf. Das Buch beschreibt allerdings nicht nur die Sicht aus Claires Augen, sondern auch die von ihrer Tochter Caitlin, ihrer Mutter Ruth, und von ihrem Mann, Greg. Neben der eigentlichen Haupthandlung des Romans gibt es außerdem Tagebuchsequenzen, die Claire und ihre Lieben im Fortschritt der Krankheit schreiben. Dabei erinnern sich alle an die großen Augenblicke, die sie mit Claire geteilt haben, zurück – beispielsweise Claires Geburt, die Geburt ihrer Tochter Caitlin, ihre Hochzeit mit Greg und die Geburt ihrer zweiten Tochter Esther.

Das Buch steigt sofort in die Handlung ein. Anders als bei Still Alice, weiß die Protagonistin bereits, dass sie an Alzheimer erkrankt ist. Ihre Mutter zieht, sehr zu Claires Unbehagen, in ihr Haus mit ein um einen besseren Blick auf ihre Tochter zu bekommen, doch die beiden geraten häufig aneinander, denn Claire weiß zwar, dass etwas mit ihr nicht stimmt, doch sie kann es nicht beim Namen nennen. Ihre Verwirrtheit überträgt sich auch auf den Leser. In vielen Situationen weiß man nicht genau wovon Claire spricht; in wiederum anderen wollte ich sie vor ihren Familienmitgliedern in Schutz nehmen, denn schließlich wusste ich, was in ihrem Kopf vor sich geht.

Bunte Kugeln hängen von der Decke. Seltsam. Ich kann mich nicht erinnern, dass bald Weihnachten wäre. Ich bin mir sicher, dass nicht bald Weihnachten ist. Aber wenn ich nun vielleicht schon seit Wochen hier bin?Rowan Coleman, Einfach unvergesslich, Piper Verlag

Um dem wachsenden Stress zu Hause zu entkommen, entschließt sich Claire immer öfter dazu spazieren zu gehen. Anfangs ist das kein Problem, obwohl sie viele Sachen vergessen hat, kannte sie sich doch immer noch vage in ihrer Umgebung aus. Als ihre Erinnerungen jedoch immer mehr verblassen, findet sie sich auch nicht mehr nach Hause und läuft einfach weiter bis sie ein Café entdeckt. Dort trifft sie auch einen Fremden, Ryan. Sie beschreibt ihn als gutaussehend und ziemlich schnell spielt dieser Unbekannte eine zentrale Figur in dem Roman, denn er ist eine Art Zufluchtsort für Claire. Wenn die Dinge zu Hause durch ihre Krankheit drunter und drüber gingen, dann konnte sie sich auf Ryan immer verlassen – er behandelte sie nicht wie eine kranke Person, sondern einfach nur wie Claire. Doch was ist mit Greg, der immer als die Liebe ihres Lebens dargestellt wird? Vergisst sie ihn vollkommen?

Sie verabschiedete sich von mir. Für immer. […] Sie sagte, sie müsse bei ihrer Familie bleiben und dass ich zu meiner Frau zurückgehen sollte. Und genau das beschloss ich dann zu tun.Rowan Coleman, Einfach unvergesslich, Piper Verlag

Von den vielen „Alzheimer-Büchern“, die ich gelesen habe, ist Einfach unvergesslich eines meiner Lieblinge. Es ist mit sehr viel Achtung vor der Krankheit und gleichzeitig mit ein wenig Hoffnung geschrieben. Hoffnung, dass die wirklich wichtigen Dinge einfach unvergesslich sind; Hoffnung, dass die Liebe zu unseren Partnern nicht auf Erinnerungen basiert und Hoffnung, dass man immer wieder seinen Weg nach Hause findet, egal wie lange man schon unterwegs ist. Ich habe geweint, gelacht und zum Schluss sehr bedauert, dass das Buch schon zu Ende ist.

Ein Buch für alle, die die Hoffnung nie verlieren.

Hinweis
Diese Rezension sowie die unten stehende abschließende Bewertung basieren einzig und allein auf meiner subjektiven, ehrlichen Meinung. Alle angesprochenen Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge können nicht auf die allgemeine Leserschaft des Buches bezogen werden. 
ECKDATEN ZUM BUCH:

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Quelle: Piper Verlag

Erscheinungstermin: 11.08.2014
Seiten: 416
ISBN: 978-3-492-06001-1
Autorin: Rowan Coleman
Originaltitel: The memory book
Übersetzerin
: Marieke Heimburger
Preis: 11€ (Taschenbuch), 8,99€ (E-Book), 19,99€ (Hörbuch)

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INFORMATIONEN ZUR AUTORIN:

Rowan Coleman lebt mit ihrer Familie in Hertfordshire. Wenn sie nicht gerade ihren fünf Kindern hinterherjagt, darunter lebhafte Zwillinge, verbringt sie ihre Zeit am liebsten schlafend, sitzend oder mit dem Schreiben von Romanen. Da kann das Bügeln schon mal zu kurz kommen. Rowan wünschte, ihr Leben wäre ein Musical, auch wenn ihre Tochter ihr mittlerweile verboten hat, in der Öffentlichkeit zu singen. Sie hat bereits mehrere sehr erfolgreiche Romane veröffentlicht. (Quelle: Piper Verlag)

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