Rezension || Graphic Novel: Moby Dick

by Marie-Theres Werner
WORUM GEHT ES?

„Eine mitreißende Comicadaptation des Meisterwerks der amerikanischen Literatur, das von den Launen des Windes und den menschlichen Leidenschaften getragen wird!

Herman Melville, einst selbst Seemann, hat sich für seinen zum Klassiker der Weltliteratur avancierten Roman Moby Dick von wahren Begebenheiten inspirieren lassen und kreierte mit dem weißen Wal gleichsam einen neuen Mythos, der sich ins kulturelle Gedächtnis einschrieb. Im Stil einer Parabel erzählt er die grimmige, mystische und verzweifelte Suche von Kapitän Ahab und seine letzte Konfrontation mit Moby Dick.“ (Quelle: Splitter Verlag)

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MEINE MEINUNG:

Der junge Ismael wird eines Morgens, nur auf einem Sarg treibend, auf offenem Meer gefunden. Als seine Retter ihn fragen, wer er sei und wo er herkäme, beginnt er, seine Geschichte zu erzählen. Moby Dick war nach Können wir nicht über was Anderes reden? mein zweites Graphic Novel und ich muss sagen, dass mir dieses Genre immer besser gefällt. Die Bilder helfen dabei, die Geschichte bildlich vor Augen zu haben und es war für mich ein komplett neues Erlebnis, ein Buch innerhalb nur weniger Stunden zu beenden. Ismaels Geschichte hat mich gefesselt und ich werde nun definitiv das Originalwerk von Herman Melville zu meiner Leseliste hinzufügen.

Gemeinsam mit seinem neuen Begleiter Queequeg, einem Harpunier aus Rokovoko, sucht Ismael einen Job als Pottwal-Jäger. Wahllos suchen sie sich am Hafen ein Schiff aus und heuern an. Als sie zu Mitgliedern der Crew der Pequod ernannt werden, sind sie stolz und wollen ihren Erfolg feiern. Gerüchte, die sie dabei über das Schiff und ihren scheinbar wahnsinnigen Kapitän Ahab hören, ignorieren die beiden Matrosen.
Drei Tage später finden sie sich an Deck der Pequod ein und müssen ziemlich schnell feststellen, dass sie nicht einfach nur Pottwale jagen, sondern dass es ihr Kapitän auf einen bestimmten Wal abgesehen hat: Vor etwa fünf Jahren wurde Ahab bei der Jagd von einem weißen Wal (auch „Moby Dick“ genannt) angegriffen und verlor dabei sein Bein. Als sich auch noch eine Infektion in seinem Körper ausbreitete, dachten viele, er würde dies nicht überleben. Doch er kam zurück und hat seither nur noch einen Plan. Moby Dick muss sterben.

Graphic Novel ermöglichen es dem Leser, den Roman auf eine völlig neue Art und Weise wahrzunehmen. Bilder sagen bekanntlich mehr als 1.000 Worte und in „Moby Dick“ erzählen sie ihre ganz eigene Geschichte. Klick um zu Tweeten

Schnell wird Ismael klar, dass er die Pequod nicht lebend verlassen wird. Die Rachsucht seines Kapitän Ahabs überwiegt sogar das Leid der Matrosen sowie Beschädigungen des Schiffs. Nichts scheint wichtiger zu sein, als den weißen Wal zu finden. Dass Ahab dabei jedoch nicht nur Moby Dicks Leben auf dem Gewissen hat sondern auch das seiner Crew, ahnt keiner.

Die Geschichte von Moby Dick fängt ganz unschuldig an und entwickelt sich dann immer mehr zu einer Katastrophe. Ich fand es sehr interessant wie die Zeichnungen in dem Graphic Novel umgesetzt worden – teilweise gab es Seiten ohne Text und die Bilder bekamen somit die Chance, für sich zu sprechen. Dem Leser wurde es sehr leicht gemacht, in die Geschichte einzusteigen und in ihr zu verweilen. Die Gestaltung von Moby Dick hat mir allgemein außerordentlich gut gefallen, vor allem aber, weil die Bilder nicht nur das Geschehen der Geschichte widerspiegeln, sondern auch deren Stimmung. Traurige Momente sind in dunkelblauen, fast grauen Tönen gehalten, Szenen von Gewalt stechen durch ihre orange-rote Farbe heraus. Auch die Darstellung der einzelnen Charaktere fand ich sehr gelungen. Ismael ist der gewöhnliche junge Mann von nebenan, Queequeg ein furchteinflößender, aber durchweg liebenswürdiger Riese und Ahab ist der rachsüchtige und kaltherzige Kapitän, der sich von seinem Wahnsinn treiben lässt. Von der ersten Seite an ist das Graphic Novel unglaublich spannend und ich habe es tatsächlich in einem Rutsch durchgelesen. Meine Liebe zu Comics wurde durch Moby Dick eindeutig stärker und ich kann es kaum erwarten, bald wieder in die bunte Welt der Literatur abzutauchen.

Hinweis
Diese Rezension sowie die unten stehende abschließende Bewertung basieren einzig und allein auf meiner subjektiven, ehrlichen Meinung. Alle angesprochenen Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge können nicht auf die allgemeine Leserschaft des Buches bezogen werden. 
ECKDATEN ZUM BUCH:

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Quelle: Splitter Verlag

Erscheinungstermin: 01.12.2014
Seiten: 128
ISBN: 978-3-95839-043-0
Autor: Olivier Jouvray
Zeichner: Pierre Alary
Originaltitel: Moby Dick
Übersetzerin
: Swantje Baumgart
Preis: 19,80€ (Hardcover)

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INFORMATIONEN ZUM AUTOR & ZUM ZEICHNER:

Der französische Autor Olivier Jouvray wurde 1970 in Oyonnax geboren. Er schloss sein Studium mit einem Diplom in Kultur und Kommunikation in Lyon ab. Fortan widmete er sich der Fotografie, der Grafik und dem Webdesign. Mit seinem Bruder Jerome gründete er das Atelier KCS und leitet an der renommierten Kunstuniversität Émile Cohl in Lyon heute selbst Comic-Kurse. (Quelle: Splitter Verlag)

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Pierre Alary wurde am 1. Mai 1970 geboren. Mit 21 Jahren begann er sein Studium an der renommierten Grafikschule „Gobelins“ in Paris und spezialisierte sich dort auf Animationen. Nach seinem Abschluss arbeitete er für die Disney-Studios in Montreuil. Zehn Jahre lang war er als Animator tätig, unter anderem zeichnete er für „Tarzan“, „Ein Königreich für ein Lama“, „Das Dschungelbuch 2“ und diverse Kurzfilme, bevor er sich den Comics widmete. Seine erste Comic-Serie, Griffin Dark, erschien bei Editions Vents d’Ouest. Viele seiner Bücher sind auch auf Deutsch erhältlich, u.a. SinBad oder Silas Corey. (Quelle: Bedetheque)

1 comment

Kessy 23. April 2019 - 20:23

Moby Dick als Comic, das ist doch mal was anderes.

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