Rezension || Gut gegen Nordwind

by Marie-Theres Werner
WORUM GEHT ES?

„Emmi Rothner möchte per E-Mail ihr Abo der Zeitschrift „Like“ kündigen, doch durch einen Tippfehler landen ihre Nachrichten bei Leo Leike. Als Emmi wieder und wieder E-Mails an die falsche Adresse schickt, klärt Leo sie über den Fehler auf. Es beginnt ein außergewöhnlicher Briefwechsel, wie man ihn nur mit einem Unbekannten führen kann. Auf einem schmalen Grat zwischen totaler Fremdheit und unverbindlicher Intimität kommen sich die beiden immer näher – bis sie sich der unausweichlichen Frage stellen müssen: Werden die gesendeten, empfangenen und gespeicherten Liebesgefühle einer Begegnung standhalten? Und was, wenn ja?“ (Quelle: Goldmann Verlag)

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MEINE MEINUNG:

Da ich jemand bin, der auch schon die ein oder anderen Kontakte online geknüpft hat, habe ich mich sehr auf dieses Buch gefreut. Schon beim Lesen des Klappentextes kamen viele Fragen auf: Ist da mehr als nur eine „Freundschaft“? Wollen sie jemals herausfinden, wer auf der anderen Seite der E-Mails steht? Haben die beiden überhaupt eine Zukunft? Gut gegen Nordwind ist ein sehr schön geschriebenes Buch, mit vielen Höhen und Tiefen, doch es war auch zugleich das deprimierendste, das ich je gelesen habe.

Emma und Leo nehmen ganz durch Zufall Kontakt miteinander auf, doch anfangs läuft es alles andere als harmonisch. Leo ist gerade dabei die Trennung von seiner Ex-Freundin zu verkraften und Emma ist einfach nur genervt, dass die Zeitschrift „Like“ ihr nach wie vor Rechnungen schickt. Doch aus irgendeinem Grund können die beiden nicht aufhören, sich gegenseitig E-Mails zu schreiben. Es wirkt erfrischend, sich mit einem Fremden so persönlich unterhalten zu können und sie beginnen beide den jeweils anderen in ihren Alltag zu integrieren. Die Nachrichten werden immer regelmäßiger, länger und gehen mehr und mehr ins Detail. Sie fangen an, sich von ihrem Privatleben zu erzählen und irgendwann wird die Frage nach einem gemeinsamen Treffen immer lauter.

Zu Beginn ist vor allem Leo gegen solch ein Treffen, denn er hat keine Absichten Emmas Ehe durcheinander zu bringen. Er hat sich sein eigenes Bild von ihr gemacht und keine Frau würde es jemals schaffen diesem Bild gerecht zu werden – auch nicht die echte Emma. Diese, auf der anderen Seite, möchte herausfinden, wer Leo Leike wirklich ist. Wer ist der Mann, in den sie sich zwischen hunderten von E-Mails leise verliebt hat? Könnte er der Eine sein, derjenige für den sie ihren Mann verlassen würde? Aber Liebe ist nicht einfach, wenn das Leben einem in die Quere kommt. Immer wieder werden Treffen verschoben, beste Freundinnen angezettelt sich mit dem geheimnisvollen E-Mail Partner zu treffen und Ehemänner mischen sich ein.
Es war nur eine Frage der Zeit, wann Bernhard von Leo erfahren würde und obwohl mich seine Nachricht an die virtuelle „Affäre“ seiner Frau verwundert hat, fand ich sein Einmischen eher überflüssig. Zwar hat sie Leo in seiner Entscheidung sehr geprägt, doch für mich war die Bekanntschaft zwischen Emma und Leo schon von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Gut gegen Nordwind ist kein Buch für jemanden, der auf Liebesgeschichten steht. Es ist sehr realistisch geschrieben und ich denke, gerade das hat mich so deprimiert. Schon oft habe ich mich selbst in Situationen wie der von Emma und Leo wiedergefunden und mit der ernsten Wahrheit konfrontiert zu werden, dass nicht alle Internet-Bekanntschaften mit der großen Liebe enden, hat mich doch ziemlich vor den Kopf gestoßen. Ich mag Happy Ends, mir ist dabei egal in welcher Form – ob eine erfüllte Liebe, eine Familienzusammenführung, oder die Rettung einer Person in einem Thriller – aber mit Büchern, die eher das reale Leben in den Fokus stellen, muss ich mich noch anfreunden. Die Geschichte um Emma und Leo macht süchtig und ich habe sie sehr gern gelesen; ich sollte nur meine hohen Erwartungen an die Fiktion etwas herunterschrauben.

Hinweis
Diese Rezension sowie die unten stehende abschließende Bewertung basieren einzig und allein auf meiner subjektiven, ehrlichen Meinung. Alle angesprochenen Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge können nicht auf die allgemeine Leserschaft des Buches bezogen werden. 
ECKDATEN ZUM BUCH:

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Quelle: Goldmann Verlag

Erscheinungstermin: 07.07.2008
Seiten: 224
ISBN: 978-3-442-46586-6
Autor: Daniel Glattauer
Preis: 10€ (Taschenbuch)

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INFORMATIONEN ZUM AUTOR:

Daniel Glattauer wurde 1960 in Wien geboren und ist seit 1985 als Journalist und Autor tätig. Bekannt wurde er zunächst durch seine Kolumnen, die im so genannten „Einserkastl“ auf dem Titelblatt des Standard erscheinen und in Auszügen in seinen Büchern „Die Ameisenzählung“, „Die Vögel brüllen“ und „Mama, jetzt nicht“ zusammengefasst sind. Seine beiden Romane „Der Weihnachtshund“ und „Darum“ wurden mit großem Erfolg verfilmt. Der Durchbruch zum Bestsellerautor gelang Glattauer mit dem Roman „Gut gegen Nordwind“, der für den Deutschen Buchpreis nominiert, in zahlreiche Sprachen übersetzt und auch als Hörspiel, Theaterstück und Hörbuch adaptiert wurde. (Quelle: Goldmann Verlag)

2 comments

hexenweib64 18. März 2018 - 15:01

Kenne das Buch ebenfalls, allerdings als Hörbuch. Ist zwar schon ein paar Jährchen her, dass ich das Buch hörte, doch dirch deine Rezension war ich wieder „mittendrin“ und kann mich deiner Meinung zu dem Buch nur anschließen. Musste allerdings dann unbedingt das zweite Buch „Alle sieben Wellen“ noch hören. Für mich zumindest hat es sich gelohnt.

Reply
Marie-Theres Werner 18. März 2018 - 15:04

Hallo!
Die Fortsetzung steht auch noch auf meiner Leseliste. Ich war so erleichtert als ich hörte, dass es einen zweiten Teil gibt. Ansonsten wäre das Buch echt deprimierend gewesen 😀

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