Rezension || Tiger von Polly Clark

by Marie-Theres Werner
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Anzeige: Dieses Rezensionsexemplar wurden mir von Politycki & Partner zur Verfügung gestellt.
WORUM GEHT ES?

„Für Frieda, eine englische Primatenforscherin, sind Tiger nichts als wilde Tiere, fremd und roh in ihrer Aggression. Aber seit sie in einem kleinen Zoo in Devon arbeitet, begegnet sie den Wildkatzen täglich. Nach und nach beginnt sie sich für das Wesen der Tiger zu interessieren; dann, sie zu verstehen, und schließlich, sie zu lieben. Durch sie lernt sie einen Teil von sich selbst neu zu entdecken und begibt sich auf eine Reise, die sie bis nach Sibirien führt, wo ihr eigenes Schicksal sich mit dem von Tomas, einem einsamen Mann in den Wäldern der Taiga, der kleinen Sina, einem wilden Mädchen, und dem der Tiger auf überraschende Weise verbinden wird.“ (Quelle: Eisele Verlag)

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MEINE MEINUNG:

Frieda ist leidenschaftliche Bonobo-Expertin und fühlt sich in dem Institut, in dem sie arbeitet, sehr wohl. Ihre Aufgabe ist es, Studien zum Verhalten der Affen durchzuführen und dabei baut sie eine enge Verbindung zu ihnen auf. Vor allem Zaire, ein Bonobo-Weibchen, hat es ihr sehr angetan. Doch ein grausamer Unfall, von dem sich Frieda nur schwer erholt, hat seine Spuren bei ihr hinterlassen: Sie ist morphinabhängig. Spritzt sich das Zeug, wann immer sie es zwischen die Finger bekommen kann und riskiert damit auch ihre Anstellung. Denn Frieda bricht eine der wichtigsten Regeln des Instituts: Sie kommt den Affen zu nahe.

Kurzerhand wird Frieda entlassen, doch ihr Vorgesetzter, Charlie, kümmert sich um ihren weiteren Werdegang und findet für sie eine Anstellung in einem Zoo. Dort gibt es zwar auch Bonobos, doch Frieda wird den Tigern zugewiesen – und das gefällt ihr gar nicht. Sie würde viel lieber ihre Studien mit den friedlichen, liebevollen Affen fortsetzen, anstatt Zeit mit den gefährlichen, tödlichen Raubkatzen zu verbringen. Aber Frieda hat keine Wahl: Wenn sie diesen Job behalten möchte, dann muss sie versuchen, eine Bindung zu Luna, der neuen Tigerin, aufzubauen.

Da Schamanismus in Russland verboten war, galten Tiger offiziell zwar nicht mehr als heilig, dennoch wusste hier insgeheim jeder, dass es eine Katastrophe war, wenn ein Tiger getötet wurde. – Polly Clark, Tiger Klick um zu Tweeten

Was Frieda allerdings nicht ahnt: Sie und Luna sind sich sehr ähnlich. Beide sind von gewalttätigen Überfällen gezeichnet und werden von Außenstehenden verspottet und gemieden. Je mehr Zeit sie mit der majestätischen Tigerin verbringt, desto enger wird ihre Bindung und selbst ein tragischer Zwischenfall kann Frieda nicht davon abhalten, mehr über diese Tiere zu erfahren. Und so begibt sie sich auf eine Reise nach Sibirien – der Heimat ihrer neuen Freundin Luna.

Tiger von Polly Clark ist absolut atemberaubend. Passend zur kalten Jahreszeit begibt man sich als Leser in die russische Taiga, lernt viel über die vom Aussterben bedrohten sibirischen Tiger und erfährt, wie gefährlich sowohl die Tiere aber auch die Menschen und vor allem die Natur sein können. Der Roman ist gezeichnet von Brutalität, Skrupellosigkeit, Kälte und versprüht zwischen den Zeilen doch so viel Wärme. Erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven, bekommt man als Leser einen Einblick in verschiedene Familiengeschichten, die alle auf ihre Art beeindruckend, aber auch tragisch und einsam sind. Tiger verbindet die Schicksale von Frieda, der kleinen Sina, ihrem Vater Tomas und der Tigerin Luna und zeigt, wie ähnlich sich Mensch und Tier doch sind. Die Reise nach Russland war für mich sehr exotisch, augenöffnend und schaurig und ich kann sagen, dass ich einen ganz neuen Respekt für Tiger gewonnen habe.

Hinweis
Diese Rezension sowie die unten stehende abschließende Bewertung basieren einzig und allein auf meiner subjektiven, ehrlichen Meinung. Alle angesprochenen Kritikpunkte und Verbesserungsvorschläge können nicht auf die allgemeine Leserschaft des Buches bezogen werden. 
ECKDATEN ZUM BUCH:

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Quelle: Eisele Verlag

Erscheinungstermin: 02.11.2020
Seiten: 430
ISBN: 978-3-96161-099-0
Autorin: Polly Clark
Originaltitel: Tiger
Übersetzerin: Ursula C. Strum
Preis: 22€ (Hardcover)

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INFORMATIONEN ZUR AUTORIN:

Polly Clark wurde in Toronto geboren und lebt abwechselnd an der schottischen Westküste und auf einem Hausboot in London. Ihre Lyrik wurde mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, und ihr erster Roman Larchfield, für den sie den MsLexia Prize gewann, u.a. von Margaret Atwood, John Boyne und Richard Ford hochgelobt. Während ihrer Arbeit als Wärterin im Edinburgher Zoo begann sie sich für den vom Aussterben bedrohten Sibirischen Tiger zu interessieren. Für die Recherchen an Tiger reiste sie in die russische Taiga, wo sie im tiefsten Winter bei Temperaturen von -35°C lernte, wie man die Spur eines Tigers verfolgt. Tiger stand 2019 auf der Shortlist für den Scottish National Book Award. (Quelle: Eisele Verlag).

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4 comments

Sandra Falke 13. November 2020 - 10:32

Das Buch schien mir schon bei der Vorstellung bei NetGalley sehr spannend, nun ist dieser Eindruck von Deiner Rezension gekräftigt. Ich bin mal gespannt darauf 🙂
Liebe Gruß

Reply
Marie-Theres Werner 14. November 2020 - 13:58

Ich wünsche dir ganz viel Spaß damit! Lass mich gern wissen, wie es dir gefallen hat 🙂
Liebe Grüße!

Reply
Literaturgarten 2. November 2020 - 14:15

Hallo Marie-Theres , deine Rezension hat mich angesprochen und mein Neugier geweckt ! Ich werde das Buch demnächst lesen , zumal ich vor einigen Jahren ein Buch über das Aussterben dieser Tiere gelesen habe . Leider kann ich mich nicht mehr an den Titel erinnern, nur daran dass ich das Buch verschenkt habe nach dem Lesen ! Herzlich Angela vom Literaturgarten

Reply
Marie-Theres Werner 2. November 2020 - 17:15

Liebe Angela,
ich wünsche dir ganz viel Spaß mit „Tiger“. Ich hoffe, das Buch gefällt dir 🙂
Liebe Grüße
Marie

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