Rezension || Tintentod

by Marie-Theres Werner
 Diese Rezension kann Spoiler zu den ersten beiden Bänden, Tintenherz und Tintenblut, beinhalten. 

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WORUM GEHT ES?

„Es sind erst wenige Wochen vergangen, seit die Weißen Frauen Staubfinger mit sich genommen haben. Meggie und ihre Eltern leben auf einem verlassenen Hof in den Hügeln östlich von Ombra. An diesem friedlichen Ort lässt sich fast vergessen, was auf der Nachtburg geschehen ist. Doch in der Dunkelheit, wenn Meggie am Fenster steht und auf Farid wartet, hört sie den Eichelhäher schreien. Und dann verschwindet ihr Vater mit dem Schwarzen Prinzen und dem Starken Mann im Wald, denn es muss alles getan werden, damit die Schatten über Ombra weichen …“ (Quelle: Verlagsgruppe Oetinger)

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MEINE MEINUNG:

Ich muss ehrlich zugeben, dass mich der dritte Band der Tintenwelt-Trilogie nicht so begeistern konnte wie seine zwei Vorgänger. Obwohl mir die Geschichte sehr gefiel und mich einige Fantasy-Elemente verzaubert haben, fällt es mir schwer, Tintentod als Teil der Trilogie zu akzeptieren. Als alleinstehender Roman hätte er sich gut gemacht, als Fortsetzung von Tintenherz und Tintenblut leider weniger.

Während Staubfinger zu Beginn des Buches noch bei den Weißen Frauen ist, entfaltet sich Mo immer mehr als „der Eichelhäher“. Die Rolle, die Fenoglio einst nur in Anlehnung an Meggies Vater entworfen hat, nimmt der Buchbinder nach und nach immer mehr an. Mo wird zu einer Heldenfigur unter den Räubern und fühlt sich auch in der Tintenwelt immer wohler. Gemeinsam mit seinem Gefolge versucht er, Ombra und das umliegende Land zu einem besseren Ort zu machen, frei von Fürsten und Soldaten, die die Gegend aus purer Habgier besitzen und regieren wollen. Meggie und Resa distanzieren sich allerdings immer weiter von der Tintenwelt und da Mo ihr plötzlich aufkommendes Heimweh nicht versteht, entfernen sie sich auch emotional etwas von ihm. Die kleine Familie beginnt, häufig zu diskutieren und mit jeder Seite scheint es, als zerreiße das starke Band zwischen ihnen. Als Mo sich dann auch noch auf einen gefährlichen Deal mit Oprheus einlässt, wird dem Leser klar, dass er völlig in seiner Rolle als „Eichelhäher“ aufgeht. Er soll seine Seele an die Weißen Frauen übergeben, damit Staubfinger wieder leben kann, doch der Tod hat ganz andere Pläne …

Auch Zauberzunge nahm den Eichelhäher mit sich. Es schien, als ritte er neben ihm, und Staubfinger fragte sich nicht zum ersten Mal, ob die beiden nicht doch nur zwei Seiten desselben Mannes waren.Cornelia Funke, Tintentod, Verlagsgruppe Oetinger

In Tintentod hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass nicht mehr die Geschichte von „Tintenherz“ verfolgt wird. Zwar ist das fiktive Buch noch immer der Schauplatz, doch es rücken ganz andere Charaktere in den Vordergrund. Auf der einen Seite bringt dies zwar eine erfrischende Abwechslung mit sich, auf der anderen Seite hatte es mit der Ausgangsgeschichte nicht mehr viel zu tun. Vor allem Orpheus und der Eichelhäher bekommen diesmal sehr viel Aufmerksamkeit, beide entstammen aber der realen Welt und schon bald musste ich Fenoglio zustimmen: die Geschichte macht, was sie will. Ich denke, es war Cornelia Funkes Absicht zu zeigen, dass die Tintenwelt genau so echt ist wie jede andere Welt und sie daher auch ihre eigenen Charaktere und Handlungsorte erschafft. Obwohl ich es spannend fand, auf Einhörner, bunte Feen und Riesen zu treffen, haben mir doch die „gewöhnlichen“ Glasmänner, Feuerelfen und Nixen aus Tintenblut gereicht.

In „Tintentod“ hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass nicht mehr die Geschichte von „Tintenherz“ verfolgt wird. Klick um zu Tweeten

Tintentod wirkte auf mich wie eine Sammlung aus verschiedenen Erzählungen: Mo wird zu einem Robin-Hood-Charakter, der Däumling bekommt eine ganz neue Rolle zugewiesen und Staubfinger und Farid bekommen durch das Feuer sogar hellseherische Fähigkeiten. Dadurch machte die Geschichte einen etwas ungeordneten Eindruck auf mich, aber ich möchte auf keinen Fall sagen, dass ich sie schlecht fand. Natürlich habe ich mich, wie jeder andere Leser wahrscheinlich auch, in den Feuertänzer verliebt und die vielen magischen Orte haben es mir wirklich angetan. Wäre Tintentod ein in sich abgeschlossener Roman gewesen, hätte er mich wirklich begeistern können, doch als Teil einer Trilogie hat er mich enttäuscht.

Hinweis
Diese Rezension sowie die untenstehende abschließende Bewertung basieren einzig und allein auf meiner subjektiven, ehrlichen Meinung. Alle angesprochenen Kritikpunkte sowie Verbesserungsvorschläge können nicht auf die allgemeine Leserschaft des Buches bezogen werden. 
ECKDATEN ZUM BUCH:

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Quelle: Verlagsgruppe Oetinger

Erscheinungstermin: 10/2007
Seiten: 768
ISBN: 978-3-7915-0476-6
Autorin: Cornelia Funke
Preis: 23€ (Hardcover), 12€ (Taschenbuch), 11,99€ (E-Book), 17€ (Hörbuch)

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DIE REIHENFOLGE DER TINTENWELT-TRILOGIE:

Tintenherz
Tintenblut
Tintentod

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INFORMATIONEN ZUR AUTORIN:

Cornelia Funke zählt mit weltweit über 26 Millionen verkauften Büchern zu den international erfolgreichsten und bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren. Sie steht seit Jahren auf der Liste der beliebtesten AutorInnen, die der Börsenverein des Deutschen Buchhandels jedes Jahr im Rahmen des Vorlesewettbewerbs unter Schülern ermittelt. Das US-Magazin „Time“ wählte sie zu einem der 100 einflussreichsten Menschen des Jahres 2005, das ZDF kürte sie 2007 zu einer der 50 „Besten Deutschen Frauen“. Für ihre Bücher wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, dem Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache, zuletzt 2015 mit dem Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis und dem Bayerischen Buchpreis. Cornelia Funke hat über 50 Bücher geschrieben, die in 50 Sprachen übersetzt sind. Zu ihren bekanntesten Werken gehören die phantastischen Romane Drachenreiter, Herr der Diebe, die Tintenherz-Trilogie und ihre Reckless-Reihe. (Quelle: Verlagsgruppe Oetinger)

2 comments

Nadine 23. Oktober 2018 - 21:34

Mein Lieblingsteil der Reihe ist und bleibt für immer der zweite Teil, liebe dort die Einführung in die Tintenwelt. Empfinde den dritten Teil auch als schwächer, mag ihn aber trotzdem sehr, kann aber auch daran liegen, dass ich sie als Kind so toll fand und die Begeisterung daran fest geblieben ist. Fürs nächste Jahr habe ich mir mal vorgenommen, Bücher, von denen ich früher so begeistert war, ein neues mal zu lesen, um zu schauen, ob es immer noch so ist oder nicht.
Liebe Grüße, Nadine 🙂

Reply
Marie-Theres Werner 24. Oktober 2018 - 14:56

Das ist eine super Idee! Sollte ich auch mal machen … Aus der Tintenwelt-Reihe hat mir der erste Band am besten gefallen, danach nahm es etwas ab.

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